stille hunde - der fall vanunu

der fall vanunu

der fall vanunu

der fall vanunu

der fall vanunu

nach zeitgeschichtlichen Dokumenten

zum stück

Im Spätsommer 1986 wird den Journalisten der in London erscheinenden Sunday Times eine brisante Meldung zugespielt: Israel verfüge über einsatzfähigen Kernwaffen. Herstellungsort sei eine geheime Waffenfabrik innerhalb des Reaktorgeländes von Dimona. Quelle sei ein hochrangiger Kernphysiker. Oscar Guerrero, ein aus Kolumbien stammender Journalist tritt als Mittelsmann für den ominösen Wissenschaftler auf. Als Beweis für die Richtigkeit der Behauptung legt er den Kollegen von der Sunday Times Fotos vor, die angeblich im streng abgeschirmten Sicherheitsbereich aufgenommen wurden. Das Interesse der Zeitung ist geweckt. Der Reporter Peter Hounam wird nach Sydney geschickt, wo er sich ein Bild des Informanten machen soll. Es stellt sich heraus, dass es sich bei der Quelle nicht um einen Kernphysiker, sondern um einen Techniker handelt, der einige Jahre in Dimona gearbeitet hatte, aber Zugang zum geheimen Bereichen der Anlage hatte: Mordechai Vanunu. Auftreten und Aussagen Vanunus überzeugen Hounam. Er bringt Vanunu nach London. Hier wird der Israeli unter strenger Geheimhaltung von Fachleuten befragt. Die Einschätzung der Experten ist erschreckend: Vanunus Angaben seien glaubwürdig. Der britische Kernphysiker Dr. Frank Barnaby schätzt das Arsenal auf 150 bis 200 Sprengköpfe. Trotzdem zögert der Chefredakteur der Sunday Times noch mit der Veröffentlichung. Er konfrontiert zunächst den israelischen Botschafter in London mit den Ergebnissen der Recherchen. Die Reaktion der Israelis fällt erstaunlich zurückhaltend aus: Statt empörter Dementis oder versteckter Drohungen gegen die Zeitung bestätigen die offiziellen Stellen nur, dass tatsächlich ein Techniker namens Vanunu in Domina beschäftigt gewesen sei. Die Journalisten werden unsicher. Sie argwöhnen, für eine Informationskampagne der israelischen Regierung missbraucht zu werden und halten den Artikel zurück. Inzwischen hat Oscar Guerrero seine Informationen dem Konkurrenzblatt Sunday Mirror angeboten. Während das Redaktionsteam der Sunday Times noch immer den Fall prüft, veröffentlicht der Sunday Mirror Vanunus Behauptungen – allerdings um sie als Täuschungsversuch darzustellen. Neben dem Artikel wird ein Portraitfoto Vanunus gezeigt. Aus Angst vor dem israelischen Geheimdienst will Mordechai Vanunu London verlassen. Er plant, mit einer amerikanischen Touristin, die er vor wenigen Tagen kennengelernt hat, eine Reise. Allen Warnungen der Sunday-Times-Journalisten taucht Vanunu mit der geheimnisvollen fremden Frau unter, ohne einen Hinweis auf sein Ziel zu geben. Als er sich nach drei Tagen nicht mehr in der Redaktion meldet, gehen Robin Morgan und sein Team davon aus, dass er in die Hände des MOSSAD gefallen ist. Um sein Leben zu schützen veröffentlicht die Sunday Times am darauffolgenden Sonntag Vanunus Aussagen und die in Dimona gemachten Fotos. Alle Ermittlungen und Anfragen laufen ins Leere. Vanunu gilt als vermisst. Neun Wochen später bestätigt unter Verdacht geratene die israelische Regierung endlich, dass Vanunu sich in Israel aufhalte und unter Anklage stehe. Über die Art und Weise, wie Vanunu nach Israel gebracht wurde, schweigen die offiziellen Stellen. Erst als es Vanunu bei der Fahrt zu einer richterlichen Anhörung in Jerusalem gelingt, mittels einer auf seine linke Hand geschriebenen Botschaft die Presse zu informieren, kommt Licht in das Dunkel: Die Frau, mit der er sich in London angefreundet hatte, war eine Agentin, die ihn nach Rom gelockt hatte, wo er überwältigt, betäubt und verschleppt wurde.

Mit „Der Fall Vanunu“ greift stille hunde Ereignisse der jüngeren Geschichte auf. Gemeinsam mit der Göttinger Sektion von Amnesty international wurde ein dokumentarisches Stück konzipiert, das die spektakuläre Enthüllung des israelischen Nuklearwaffenprogramms vor fünfundzwanzig Jahren thematisiert. Anhand des Schicksals eines politischen Aktivisten wird dabei die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Maßnahmen zum Schutz staatlicher Interessen aufgeworfen.

Offizielle Seiten:

Amnesty International Göttingen | Einzelfall: Mordechai Vanunu