


Monolog von Tasha Skowronek und Stefan Dehler, nach zeitgeschichtlichen Dokumenten
mit Tasha Skowronek
zum stück
Als im Frühjahr 1942 die zwanzigjährige Kindergärtnerin Sophie Scholl aus dem Reicharbeitsdienst entlassen wird, ist zu Hause bei ihrer Familie in Ulm die Situation angespannt: Ihrem Vater, der im Beisein einer seiner Angestellten eine kritische Bemerkung über Hitler gemacht hat, droht eine Anklage. Sophies eineinhalb Jahre älterer Bruder Hans, der in München Medizin studiert, beschließt gegen das Regime aktiv zu werden. Nur Sophie deutet er seine Pläne an, mit Flugblättern an die Öffentlichkeit zu treten. Sophie folgt ihm nach München, um ebenfalls zu studieren. Hans führt sie ein seinen Freundes- und Bekanntenkreis ein, in dem sich regimekritische Intellektuelle bewegen, die auf eine vernichtenden Niederlage der Wehrmacht und damit auf ein Ende der Herrschaft Hitlers hoffen. Ende Juni bis Mitte Juli kursieren in München und Ulm plötzlich vier Flugblätter mit politisch brisanten Botschaften. Die anonymen Verfasser, die zum Widerstand gegen Partei und Krieg auffordern, nennen sich „Die Weiße Rose“. Sophie ahnt, dass ihr Bruder und dessen bester Freund Alexander Schmorell hinter der Sache stehen, schweigt aber gegenüber der Familie, den Freunden und Bekannten. In den Semesterferien, als Hans zum Sanitätsdienst nach Russland geschickt wird, ihr Vater zu vier Monaten Haft verurteilt wird und sie Kriegshilfsdienst in Ulm leisten muss, reift ihr Entschluss: Sie wird an zukünftigen Widerstandsaktionen praktisch mitwirken. Im November beginnt sie mit Hans und einigen Freunden ein mühevolles und gefährliches Unternehmen – das im Februar 1943 ein tragisches Ende nimmt, als die Geschwister beim Verteilen von Flugblättern in der Münchner Universität entdeckt und festgenommen werden.
Am 9. Mai 2011 wäre Sophie Scholl 90 Jahre alt geworden. stille hunde hat den diesjährigen Gedenktag zum Anlass genommen, ein biografisches Stück zu erarbeiten, das das letzte von existenziellen Entscheidungen geprägte Lebensjahr der Widerstandskämpferin vorstellt und damit ein Schlaglicht auf eine außergewöhnliche studentische Aktionsgruppe wirft, die unter Einsatz des Lebens gegen den Fortbestand des nationalsozialistischen Unrechtsregimes agitierte.
Das gut einstündige Stück komprimiert die Ereignisse ab März 1942 bis zur Hinrichtung der vom Volksgerichtshof zum Tod verurteilten Geschwister Scholl und ihres Freundes Christoph Probst am 22. Februar 1943 und zeigt die Heldin in entscheidenden Situationen: Entlassung aus dem Reichsarbeitsdienst, Rückkehr ins Elternhaus nach Ulm, die erste Zeit als Studentin in München, der einmonatige Kriegshilfsdienst in Ulm, der Beginn der Untergrundarbeit. Zu hören sind dabei die Äußerungen der Heldin, die sie in alltäglichen Situationen gegenüber den Geschwistern und Freunden macht, aber auch ihre innere Stimme, die Gedanken und Gefühle ausdrückt, wie sie die historische Sophie Scholl in Tagebucheinträgen und Briefen beschrieben hat.
Das Stück, das im Abendprogramm und in einigen Vormittagsvorstellungen für Schulen im Apex gezeigt wird, ist ausdrücklich als mobile Produktion konzipiert, die im Klassenzimmer gespielt werden kann.
Die Produktion wird gefördert durch die Göttinger Kulturstiftung.