


Ein altes Märchen in neuen Sprachkleidern
Szenische Lesung mit Stefan Dehler und Christoph Huber
zum programm
Wer kennt sie nicht, die Erzählung vom Mädchen mit der roten Kappe, das eines Tages von einem Wolf gefressen wird? Immerhin gehört die Geschichte ja zu den bekanntesten der Brüder Grimm und gilt als Inbegriff der deutschen Märchenkultur. Nur wenige wissen aber, dass das berühmte Rotkäppchen und sein Widersacher, der Wolf, einen Migrationshintergrund haben: Tatsache ist, dass die beiden ursprünglich aus Frankreich stammen und erst seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland beheimatet sind. Seit dieser Zeit haben Rotkäppchen und der Wolf im deutschsprachigen Sprachraum eine steile Karriere gemacht, die noch lange nicht beendet ist. Das war natürlich nur möglich, weil beide Helden gelegentlich die Kostüme gewechselt haben, und ihre Geschichte in immer neuen, meist witzigen Variationen nacherzählt wurde - von berühmten ebenso wie unbekannten Autorinnen und Autoren. Tastsächlich gehört die alte Geschichte zu den wohl am häufigsten parodierten Märchen; inzwischen gibt es das Rotkäppchen in allen Variationen: als bauernschlaue Heldin eines satirischen Versdramas, als stramm gezeichnetes BDM-Mädel, als psychiatrische Fallstudie, als schießwütiges Cowgirl, als von einem Trojaner namens WOLF gekaperte Software und in vielen anderen schrillen Maskeraden.
Die Schauspieler Stefan Dehler und Christoph Huber schlüpfen in die Rollen von liebenswerten Chauvinisten, von Impresarios und Dichtergelehrten, von naiven und von gewitzten kleinen Mädchen, von Omas, Jägern und Wölfen aller Art, von sturzbesoffen fabulierenden Seemännern, von Psychiatern und Rappern und stellen so die besten der von ihnen aufgespürten Fassungen vor.