Kaum sitzt der letzte Besucher auf seinem Platz, da strömen auch schon die drei Akteure in den Raum und wirbeln geschäftig umher. Die Zuschauer wissen noch gar nicht, wie ihnen geschieht, schon befinden sie sich mitten drin […]
Um an Beliebtheit zu gewinnen soll Prinz Sigi mit Hilfe einer professionellen Imageberatung zu einem metrosexuellen Mann verholfen werden. Dafür muss er gegen einen Drachen kämpfen und erhält neben seinen übermenschlichen Kräften durch das berühmte Bad im Drachenblut, bei dem nur ein kleiner Fleck auf seiner Schulter ungeschützt bleibt, noch eine Tarnkappe, die ihn unsichtbar macht, ein Zauberschwert und jede Menge Gold. Doch um Kriemhild – die Frau seiner wilden Fantasien – heiraten zu können, muss er zunächst ihrem Bruder – dem weichlichen König Gunther – zu der Eroberung Brunhildes – der Frau seiner Träume – verhelfen.
Eine Geschichte, die viele schon einmal gehört haben. Denkt man zumindest. Denn durch die Mischung einer alten Sage mit modernen Themen und katastrophalen Rollenkollisionen, wird die ganze Geschichte völlig neu interpretiert. Aus dem starken Siegfried wird der beschränkte Sigi, der nichts weiter im Kopf hat, als das Verführen von Frauen. So begegnen einem während der Vorführung gleich mehrere Seiten dieses Helden, etwa wenn dieser gerade noch rechtzeitig daran gehindert wird sich auf der Bühne auszuziehen, um den Anweisungen des Erzählers folgend im Drachenblut zu baden oder wenn er sich stöhnend auf die Treppenstufen fallen lässt und stolz die Trophäen seiner Eroberung über Brunhildes gut geschützte Jungfräulichkeit zu präsentieren.
Mit fliegendem Rollenwechsel wird die Geschichte in knapp zweieinhalb Stunden auf die Bühne gebracht. Um den Mangel an Schauspielern auszugleichen, springen zwischenzeitlich selbstgebastelte Kartoffelmännchen als Zwerge ein, und auch der Drache sieht einer Kartoffel mit einem Girlandenschwanz überraschend ähnlich. Da Tasha Skowronek das einzige weibliche Mitglied der stillen hunde ist, spielt sie sowohl die junge durchtriebene Kriemhild als auch die starke Brunhild mit dem immerwährend grimmigen Blick. Interessant wird die Rollenverteilung vor allem dann, wenn sich beide Figuren gegenüberstehen und heftig miteinander streiten. Eine vielleicht ebenso skurrile Situation entsteht, als Brunhild den beiden Gehilfen den Auftrag erteilt, Sigi zu töten, denn einer der beiden Gehilfen spielt gleichzeitig die Rolle des Mordobjektes.
Mit viel Witz und Parallelen zu aktuellen politischen Ereignissen – wie beispielsweise die Finanzkrise oder den Dopingskandalen – schafft es die Gruppe die Lachmuskeln der Zuschauer zu Höchstleistungen anzuspornen und dafür zu sorgen, dass das Stück noch eine ganze Weile in den Köpfen der Zuschauer bleibt. […]
Sunny Side Up, Juni 2009