stille hunde

Pressestimmen

krabat

Gegen Tod und Teufel

Die Zeit des 30-jährigen Krieges ersteht in der Alten Fechthalle: Die „Stillen Hunde“ zeigen das Stück „Krabat“ nach dem sorbischen Volksmärchen. Die Not ist groß dieser Tage. kein Brot, kein Korn, auch die letzte Ziege wird den Dorfbewohnern von brandschatzenden Truppen genommen.

In dem hohen Raum der Fechthalle braucht das Theater nicht viel: eine große, rechteckige Fläche, deren hinterer Teil mit schwarzer Gaze übermannshoch halbdurchsichtig verdeckt wird. Auch die Ausstattung ist reduziert: Die lichte Kargheit treibt die Geschichte auf gute Weise an, bringt die Konzentration auf Inhalt, Text und Form auf den Punkt.

Der schwarze Müller (Christoph Huber) treibt seine zwölf Burschen erbarmungslos an, und auch der junge Bauernsohn Krabat (Stefan Dehler) fällt in seine Hände. Schwer wiegen die Mehlsäcke, die er zu schleppen hat, schwerer noch der Pakt mit dem Teufel und schwarzer Magie, die hinter allem steht.

Zwölf Paar Gummistiefel vertreten die Burschen, ihre unterschiedlichen Eigenschaften bieten die einprägsamen, fast rituellen Beschreibungen plastisch dar. Nachts werden sie zu Raben, verdeckt in zwölf Kisten. Sie müssen ausfliegen oder das böse Zaubern lernen.

Die Liebe des Bauernmädchens (Tasha Skowronek) ist wie ein Versprechen immer anwesend und hat allein die Macht, dem Teufel die seine zu nehmen. Auch Freundschaft ist für diese Entwicklung notwendig.

Bei aller äußeren Reduktion birgt das Spiel der drei größte Fülle, füllt die Geschichte ganz, erfüllt den Raum. Die Erzählebenen des rückblickenden und handelnden Krabat verschränken sich konsequent und auch die Rollenwechsel, die vollzogen werden, bieten Konsistenz. Dabei verzichtet die Inszenierung auf das Insistieren der grausamen Momente des Märchens, sie sind da, geben in angemessenem Maß Auskunft über Gewalt, Tod und Zauberei. Die Düsternis aber kommt nicht von äußeren Effekten her, sie wohnt unverkennbar dem Bösen inne, das zu vertreiben - fraglos immer und aktuell - möglich ist.

Göttinger Tageblatt 06/12/2008