Roman von Mary Shelley,
Szenische Lesung mit Stefan Dehler und Christoph Huber
zur produktion
Victor Frankenstein, ein von Idealismus, Fortschrittsbegeisterung und medizinischem Ehrgeiz getriebener Forscher, plant, tote Materie zu beleben. Das im geheimen vorangetriebene Experiment gelingt: Frankenstein erschafft ein menschenähnliches Wesen. Das Geschöpf ist jedoch von erschreckender Hässlichkeit. Verzweifelt über seine Unfähigkeit, natürliche Schönheit nachahmen zu können, verweigert der Wissenschaftler dem monströsen Lebewesen die nötige Fürsorge und überlässt es sich selbst und den Kräften der Natur - in der Hoffnung, es möge ohne die Hilfe der menschlichen Gemeinschaft umkommen. Aber das Geschöpf überlebt trotz der Ablehnung und Ächtung, die ihm im Umgang mit Menschen begegnen, erlernt in beinahe unbeschreiblicher Anstrengung menschliche Sprache und Sozialverhalten und macht sich schließlich auf die Suche nach seinem Schöpfer. Was dem Menschen immer unmöglich sein wird, erzwingt das von Victor Frankstein geschaffen Wesen mit Gewalt: das Gespräch mit dem Schöpfer. Für Victor Frankenstein ist die Begegnung mit seiner fleischgewordenen Allmachtsfantasie die endgültige moralische Niederlage. Der Anklage seines Geschöpfes hat er nichts zu erwidern. Er ist das Monster, ein größenwahnsinnig unfähiger Gott. Sein Geschöpf, das nur das Recht auf ein würdiges Dasein verlangt, ist menschlicher als er selbst.
Vordergründig betrachtet scheint es sich bei Mary Shelleys berühmten Roman um eine bloße Schauergeschichte zu handeln. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich ihre Erzählung über das waghalsige wissenschaftliche Unternehmen Viktor Frankensteins als ein raffiniertes philosophisches Gedankenexperiment, das mit den heute vorherrschenden, von den populären Filmadaptionen des Stoffes geprägten Vorstellungen nichts zu tun hat. Shelleys Buch besticht trotz melodramatischer Klischees, Schauereffekte und literarischer Schwächen vor allem durch eine verblüffende Ernsthaftigkeit, mit der die Autorin ein großes Thema der Menschheitsgeschichte aufgreift: die unstillbare Sehnsucht des Menschen nach Gottähnlichkeit. Stefan Dehler und Christoph Huber gehen in ihrer szenischen Lesung dem Mythos Frankenstein auf den Grund und stellen Mary Shelleys tragische Helden in einer szenischen Lesung vor.