stille hunde

 

geschlechter kommen, geschlechter gehen, hirschlederne reithosen bleiben bestehen

Ein Streifzug durch die wilde Welt der Balladen,
von und mit Stefan Dehler und Christoph Huber

zum programm

Die Ballade. Oh je! Ein Stoßseufzer entringt sich den Eingeweihten, während sich die Ahnungslosen fragen: Was ist das eigentlich? Was vor etwas mehr als fünfzig Jahren noch in Ehren gehaltenes literarisches Allgemeingut war (ja bisweilen geradezu im Rang nationaler Kunstwerke stand), was da in den guten Stuben und in den Schulzimmern landauf und landab mal leidenschaftlich deklamiert, mal kraftlos heruntergeleiert wurde, scheint heute größtenteils vergessen. Oder zu einem unwürdigen Dasein in der Zitatenramschkiste der Popkultur herabgekommen. Hand aufs Herz: Die Zeiten sind lausig geworden für die Ballade, jenes lyrische Mittelformat der verdichteten, zumeist gereimten Kurzerzählung von unerhörten Begebenheiten, heldenhaften Menschen, Tieren oder sonstigen Sensationen.

So ganz von ungefähr kommt der Niedergang der Ballade natürlich nicht. Der Zeitgeist sperrt sich inzwischen vehement gegen das zumeist als pathetische und moralinsauer empfundene Gedröhn der Verse. Die besungenen Ritter und Jungfrauen, Dolchträger und Tyrannen, die opferbereiten Bürgen und treuen Freunde, die kinderstehlenden Naturgeister und fahrenden Sänger waren ja schon zu Goethes und Schillers Zeiten nostalgisch verbrämtes Märchenzubehör. Heute taugen sie weniger denn je zum Träger einer ernsthaften Botschaft. Dabei hat die Ballade aber unbestritten ihre Qualitäten. In ihrer dramatischer Zuspitzung übertrifft sie das Theater, in Kürze und Prägnanz die Novelle und den Roman. Mit gut und spannend erzählten Geschichten kann die Ballade also allemal aufwarten.

Dass mit der Ballade doch noch der eine oder andere Blumentopf zu gewinnen ist, wollen Christoph Huber und Stefan Dehler unter Beweis stellen. Die beiden haben sich in die Tiefen (und Untiefen) deutschsprachiger Gedichtsammlungen gewagt und Bekanntes wie Unbekanntes zusammengetragen. Nun laden sie mit dem, was sich hören lassen kann, alle Balladenfans zu einem nicht immer geschmack- und stilsicheren Vortragsduell ein, bei dem die titelgebenden Reithosen unter anderem Tauchern und Erlkönigen, Birnbaumpflanzern und Steuermännern angedient. werden.